Der Stadtneurotiker Es ist nur konsequent, dass MGM die neue DVD-Sammlung mit dem Film beginnen laesst, der ueber Nacht Woody Allens Ruf als fuehrender Autorenfilmer begruendete und ihm gleich zwei Academy Awards eintrug: fuer die beste Regie und das beste Originaldrehbuch. Darueber hinaus erhielt Der Stadtneurotiker den Oscar als bester Film des Jahres 1977 und den fuer die beste Hauptdarstellerin, Allens damalige Lebensgefaehrtin Diane Keaon. Er selbst spielt Alvy Singer, einen brillanten TV-Komiker, der es sich mit den Frauen regelmaessig verscherzt. Kein Wunder bei einem Kerl, der von sich behauptet, er wolle nie Mitglied in einem Club werden, der Typen wie ihn aufnaehme. In Vor- und Rueckblenden erzaehlt der Film die Geschichte von Alvys Liebe zu der kaum weniger konfusen Barsaengerin Annie Hall (Keaton). Auch sie schlaegt er mit seinen Neurosen schliesslich in die Flucht. Doch um sie zurueck zu gewinnen, ist Alvy bereit, bis zur aeussersten Schmerzgrenze zu gehen: nach Los Angeles, in die Stadt, deren einziger Beitrag zur Kultur es seiner Meinung nach ist, dass man bei Rot an der Ampel rechts abbiegen darf. Eine Sommernachts-Sexkomoedie Schoen, wenn man die Frau fuers Leben gefunden hat. Noch schoener, wenn man ein paar mehr kennt. Wie ein Kommentar zu diesem losen Spruch Woody Allens wirkt Eine Sommernachts-Sexkomoedie. Dieser Film von 1982, einer seiner heitersten, war zugleich der erste, den er mit seiner damaligen Ehefrau Mia Farrow drehte. Der schrullige Banker und Gelegenheitserfinder Andrew (Allen) und seine leicht neurotische Frau Adrian (Mary Steenburgen) laden um 1900 zwei befreundete Paare in ihr Landhaus ein: den aeltlichen, philosophischen Schwadroneur Leopold (Jos Ferrer) und seine blutjunge Verlobte Ariel (Farrow) sowie den erotomanischen Arzt Maxwell (Tony Roberts) und dessen Freundin, die Krankenschwester Dulcy (Julie Hagerty), der in puncto Sex nichts menschliches fremd ist. Wie in Shakespeares Sommernachtstraum entwickelt sich in den lauen Naechten eines Sommerwochenendes ein munteres Baeumchenwechsel-dich-Spiel. Und am Ende hat jede mit jedem mehr oder weniger lustvolle Abenteuer erlebt. Eine andere Frau Eine andere Frau aus dem Jahr 1988 gehoert zu den sogenannten ernsten Woody Allen Filmen, in denen er dem von ihm so sehr verehrten Regisseur Ingmar Bergmann nacheifert. Voller Lebensklugheit und Einfuehlungsvermoegen zeichnet Allen hier das Portraet einer Frau, die sich auf der Hoehe ihres Lebens gezwungen sieht, sich radikal infrage zu stellen. Die wohlsituierte Philosophieprofessorin Marion (Gena Rowlands) belauscht unbeabsichtigt ein Gespraech zwischen der etwas juengeren Hope (Mia Farrow) und ihrem Psychoanalytiker. Die zufaellige Begegnung mit dieser Unbekannten, die auf der Suche nach sich selbst ist, fuehrt Marion urploetzlich ihre eigene, innere Leere vor Augen. Obwohl sie nur noch eine lieblose Ehe fuehrt, verleugnet sie ihre Gefuehle fuer Larry (Gene Hackman), den Mann, den sie wirklich liebt. Um so geschockter reagiert sie auf die Erkenntnis, dass ihr Ehemann Ken (Ian Holm) ihr untreu ist. Sie beschliesst, ihr Leben zu aendern, stellt sich ihren tiefsten Gefuehlen - und erkennt die erschreckende Kraft einer unterdrueckten Leidenschaft. Alice Auch Alice aus dem Jahr 1990 ist die ermutigende Geschichte einer Selbstbefreiung, aber nicht schwerbluetig, sondern leicht, beschwingt und mit maerchenhaftem Charme erzaehlt. Alice (Mia Farrow) ist eine verwoehnte New Yorkerin der feinen Gesellschaft, der es an nichts fehlt - ausser vielleicht an Lebenssinn. Als sie sich in den attraktiven Musiker Joe (Joe Mantegna) verliebt - besser gesagt: in das Idealbild, das sie sich von ihm macht - wird sich Alice der geisttoetenden Langeweile ihrer Ehe mit Doug (William Hurt) bewusst, der ihr rein gar nichts zutraut. Wie Alice im Wunderland geraet auch diese Alice in New York in eine skurrile Parallelwelt. Die Tore zu dieser Welt, in der sie sich z.B. unsichtbar machen kann, oeffnen ihr die Wunderdrogen des seltsamen fernoestlichen Kraeuterdoktors Yang (Keye Luke). In zum Teil poetisch-vertraeumten Bildern schildert Woody Allen eine verrueckte Reise zum Ich, an deren Ende Alice entscheiden muss, wie viel sie fuer ein neues, erfuellteres Leben zu riskieren bereit ist.
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